Quer durchs Weinangebot wischen | ein Beitrag von htr hotel revue | Nr. 8 , 20. April 2017

Noch sind sie in den Restaurants hierzulande selten zusehen, die digitalen Weinkarten. Dabei überwiegen die betrieblichen Vorteile. 

Und: Die Gäste haben Spass daran.


Die  digitale  Weinkarte, die  in  diesen Tagen im  Zürcher  Restaurant Opera eingeführt wird, ist Teil des Gesamtprojektes «Digitalisierung», das  in  diesem Jahr  von  der Ambassador  und Opera  AG eingeführt wird.  Im Hintergrund  wird  die Bewirtschaftung und Administration der beiden  Hotels  Ambassador und Opera und dem Restaurant Opera digitalisiert,  im  Vordergrund sollen die Gäste die Dienstleistungen besser nutzen  und  schneller  planen  können.  «Morgens können unsere Gäste  mit  dem  hoteleigenen oder  ihrem persönlichen Tablet über  6000  Zeitungen und Zeitschriften  lesen.  Und  mittags oder  abends können  sie  auf dem Winepad  den  passenden  Wein wählen», erklärt Hoteldirektor Michael Böhler.

Rund  200  Weine sind  auf  diesem Gerät  gespeichert,  der  Gast  kann sich  seinen Wein nach  den gängigen Kategorien  aussuchen  und Zusatzinformationen zu Produzenten, Regionen und Rebsorten abrufen. Und,
wenn er möchte, kann er auch ei-
nen  Kurz‚ lm  dazu  anschauen. 
«Wir  starten  mit  vier  iPads,  das 
sollte für die 14 Tische und die 60 
Plätze ausreichen», so Böhler, und 
fügt  mit  einem  Lächeln  hinzu: 
«Solange die Gäste nicht allzu viel 
Zeit  mit dem Studium der neuen digitalen Weinkarte verbringen.» 
Weniger langwierige Büroarbeit, mehr Zeit für die Gäste.

Die Pads werden in hochwertige Ledermappen gesteckt, um ihnen 
einen persönlichen Touch zu geben. Böhler rechnet damit, dass sich die 
hohen Anfangsinvestitionen
für  die  Geräte  längerfristig 
lohnen:  «Wir  werden  nicht  nur 
Papier  und  Druckkosten  sparen, 
sondern auch Zeit, weil niemand 
mehr  die  herkömmlichen  Wein-
karten  formatieren  und  ausdru-
cken  muss.  Zudem  haben  die 
Mitarbeitenden  alle  Informatio-
nen  zu  den  Weinen  schnell  zur 
Hand,  das  ist  nützlich  bei  Schu-
lungen.  Schliesslich  pro‚ tieren 
wir auch bei der Weinverwaltung, 
weil wir das Inventar digitalisieren 
können.»  Die  erste  Version  und 
alle  folgenden Anpassungen wer-
den von der Firma Vendomat ein-
gerichtet, dafür bezahlt man eine 
Jahrespauschale,  die  sich  nach 
der  Anzahl  Positionen  richtet. Beim Hotel Ambassador liegt diese bei  rund  1800  Franken. Angst, dass  die  digitalen Geräte  gestohlen werden, hat der Hoteldirektor nicht:  «Wir  stellen  jetzt  schon iPads zur Verfügung, bis jetzt wurde keines gestohlen. Die Mitarbei-
tenden  müssen  die  Geräte  ganz 
einfach  wegschliessen,  wenn  sie 
nicht in Gebrauch sind, das hilft.» 
Ganz  allgemein  gehe  der  Trend 
jedoch dahin, dass die Gäste ihre 
eigenen  Geräte  benutzen  möch-
ten, um auf die verschiedenen di-
gitalen  Dienstleistungen  der  Ho-
tels und Restaurants zuzugreifen, 
ist  Böhler  überzeugt.  Und  auch 
davon, dass die umfassende Digi-
talisierung  – beim Room-Service, 
beim  Online-Ein-  und  -Aus-
checken und eben auch  mit dem 
Winepad  –  dazu  führt,  dass  die 
 Mitarbeitenden weniger mit repe-
titiven  Administrationsarbeiten 
beschäftigt sind und mehr Zeit für 
die  persönliche  Betreuung  der 
Gäste haben. «Ein rundum positi-
ver Effekt», finndet er.

Die  Software  für  die  digitale 
Weinkarte  des  «Ambassador» 
stammt aus dem Hause Vendomat 
in Schönbühl BE: «Wir haben das 
Winepad  schon  länger  im  Ange-
bot,  aber  in  diesem  Jahr  ist  die 
Nachfrage  deutlich  gestiegen», 
sagt Geschäftsleiter Raoul Corciulo. 

Rund  300  Kunden  haben  bereits eine solche digitale Weinkarte, in der Schweiz sind es rund 15. Zusammen  mit  der  Hotelfachschule Luzern erarbeitete Vendomat  eine  Variante,  die  aus  einer zentralen  Datenbank  für  Gastronomen  und  Weinproduzenten besteht. Texte und Bilder bereitet 
Vendomat auf. Bereits sind gegen 12 000  Weine  aufgenommen,  die Datenbank  wächst  mit  jedem neuen  Kunden,  der  neue  Weine im Sortiment hat. «Wir legen Wert auf gute Bilder und prägnante Beschreibungen.  Das  Winepad  ist auch  für Weinproduzenten  interessant, weil sie sich da präsentieren können», sagt Corciulo. Gäste können Weine nach Rebsorte,  Herkunft,  Charakter  oder nach  Weingut  aussuchen  –  oder ganz  einfach  ein  Gericht  eingeben, zu dem sie einen passenden Wein  haben  möchten.  Ein  Sommelier-Team  hat  die  Harmonien von Weinen und Speisen erarbeitet. Winepad-Kunden können die Informationen  auch  als  Link  zur Verfügung stellen, damit man bereits zu Hause  die Weinkarte studieren  und  Weine  aussuchen kann.  «Wir  möchten  die  Gastronomen  von  der Büroarbeit  
entlasten,  sie  müssen uns  nur  sagen, welche  Weine  aktuell  in ihrem Sor-
timent  verfügbar sind,  den  Rest  erledigen  wir»,  erklärt  der  Vendo-
mat-Geschäftsleiter.  Die Kosten  für diese digitale Weinkarte – die man 
natürlich auch auf Papier ausdrucken könnte – hängt davon ab, wie 
umfassend  das  Weinangebot  ist. Bei  50 Weinen  liegt  die Monats-
pauschale bei 49 Franken. 

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