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„Auf allen Kanälen präsent“ Gastronomie digital

„Auf allen Kanälen präsent“

Kaum eine Branche kommt an der digitalen Transformation vorbei. Die Online-Revolution stellt die Dinge auf den Kopf.

 

In Schweiz & Deutschland hält die Digitalisierung auch in der Gastronomie Einzug und schafft laut aktueller Studien mittelfristig komplett neue Wettbewerbsverhältnisse. Vor diesem Hintergrund sprachen Isabell Karch vom Gastgewerbe-Magazin mit Stefan Brehm, der 2002 den Tischreservierungsdienst „BookaTable“ gründete. Vor fünf Jahren war der gelernte Hotelkaufmann als Co-Gründer maßgeblich an der Wiederbelebung der Kassenfirma „GASTROFIX“ beteiligt, deren Vertriebs- und Marketingvorstand er heute ist.
GASTGEWERBE  MAGAZINHerr Brehm, muss der Gastwirt von morgen digital sein?
Stefan Brehm (Foto): Auf jeden Fall sollten sich Gastronomen mit digitalen Angeboten und neuer Technologie beschäftigen und ausloten, ob sich damit im eigenen Betrieb Prozesse optimieren oder Gäste leichter erreichen lassen. Der moderne Wirt sollte zweifelsohne medial auf allen Kanälen präsent sein, denn dort ist es die Zielgruppe vielfach bereits heute.
Online lässt sich zum Glück noch kein Kaffee trinken.
Ja, aber bestellen. Gerade ließ Starbucks verlautbaren, dass in den USA inzwischen jede fünfte Kaffeebestellung über mobile Endgeräte erfolgt. Dank „Mobile Ordering“ ziehen Gäste in der Systemgastronomie auch in Großbritannien und anderswo bereits seit Jahren über die „Schnellspur“ an der Schlange vorbei. Restaurants, die in den USA zur Eröffnung nicht online buchbar sind, brauchen gar nicht erst aufzusperren – es wären kaum Gäste da. Diese Trends werden mittelfristig auch bei uns spürbar sein.
Und das Potenzial haben inzwischen auch die Finanzinvestoren erkannt?
Welche Werte in dem Markt vermutet werden, verdeutlicht die Übernahme des Tischreservierungsdienstes OpenTable durch die Priceline-Gruppe. Der Konzern, zu dem auch Booking.com gehört, legte vor gut zwei Jahren für den Buchungsdienst sagenhafte 2,6 Milliarden Dollar auf den Tisch. Michelin hat sich jüngst BookaTable einverleibt. Und die modernen Lieferdienste handeln ebenfalls mit schwindelerregenden Summen. Das bedeutet: Die Schlacht um die lukrativen Schnittstellen zwischen Küche und Gast wird – auch hierzulande – schon lange online geschlagen.
Verglichen mit dem Ausland sind wir in vielen Bereichen der Gastronomie aber dann doch eher noch ein digitales Entwicklungsland, oder?
Abgesehen von den großen Gastro-Marken hat sich in Sachen Digitalisierung tatsächlich noch nicht sehr viel getan. In Schweden, den USA oder Großbritannien ist die Gastronomie, bezüglich technologischer Veränderungen, wesentlich offener. Es gibt aber Gründe dafür, warum viele Gastronomen gegenüber neuen Technologieideen eher misstrauisch sind. Das hat oft mit Erfahrungen in der Vergangenheit zu tun, in der sich in der Gastro-Branche schon einige große Digitalunternehmen ausgetobt und viele Wirte eine Menge Geld verloren haben. Die junge Generation geht jetzt wieder viel offener und fordernder mit dem Thema um. Das macht Mut.
Immer mehr technologische Angebote für Gastronomen kommen auf den Markt. Die Entscheidung für das richtige Produkt fällt schwer?
Als ausgebildeter Hotelkaufmann und Gastronom kenne ich das Problem aus früheren Jahren, auch wenn da der Wandel nicht so rasant vor sich ging. Letztlich lauten die Fragen: Erleichtert mir das Produkt die Arbeit und optimiert die Abläufe? Zum Beispiel stellt der Gesetzgeber Gastronomen mit immer neuen Anforderungen, wie Kennzeichnungspflichten, Zeiterfassung oder Allergenkennzeichnung und Nährwerten, stets vor neue Herausforderungen. Innovative Software muss hier schnell und einfach weiterhelfen und Probleme automatisch lösen. Wenn es um die Vermarktung geht, gilt es, die Akzeptanz der digitalen Produkte bei den Gästen sicherzustellen. Die tollste Funktion bringt nichts und verbrennt nur Geld, wenn keine Gäste erreicht werden. Gastronomen sollten sich nicht von günstigen Preisen blenden lassen und riskieren, am Ende draufzuzahlen, weil die Technologie nicht fertig entwickelt oder keine Relevanz vorhanden ist.
Welche Technologien werden sich etablieren?
Kurzfristig erwarte ich, dass sich Abrechnungs- und Bestellsysteme, Auswertungsanalysen sowie Schicht- und Mitarbeiterplanung in der Gastronomie als Innovationen durchsetzen. Ferner sind Dienstleister für mobiles Bezahlen und Lieferdienste finanziell so gut aufgestellt, dass sie lange Anlaufphasen in der Branche überleben. Mittelfristig wird sich sicherlich die elektronische, halb- oder vollautomatisierte Bestellung beim Lieferanten weiterentwickeln. Auf lange Sicht gehe ich davon aus, dass sich der 360-Grad-Ansatz der Cloud-Technologie durchsetzen wird. Das bedeutet, dass ich meinen Gastro-Betrieb von der Kasse, über das Reservierungsprogramm, bis hin zur Mitarbeiter-Rekrutierung und der Kundenbindung über eine einzige digitale Wolke steuern kann. Und am Ende gilt wie in der Hotellerie: Wer den digitalen Zugang zum Gast besitzt, hat die besten Karten, erfolgreich Geschäfte zu machen.


Quellangaben:
Gastgewerbe-Magazin  mit freundlicher Empfehlung von Isabell Karch
 

 

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